Ethereum führt klaren Signierstandard ein, um blinde Genehmigungen zu beenden
Die Ethereum Foundation hat am 12. Mai 2026 offiziell Clear Signing eingeführt – einen offenen Standard, der darauf ausgelegt ist, Wallet-Genehmigungen standardmäßig lesbar zu machen und die mit dem sogenannten „Blind Signing“ (blindem Signieren) verbundenen Risiken zu reduzieren. Die Initiative zielt auf eine der am längsten bestehenden Schwachstellen von Ethereum ab: die Praxis, Benutzer zur Autorisierung von Transaktionen aufzufordern, die sie nicht sinnvoll interpretieren können.
Das Problem beim Blind Signing
Viele Wallet-Bildschirme zeigen nach wie vor unformatierte Bytes (Raw Bytes) oder generische Labels an, sodass Benutzer Transaktionen genehmigen, die sie nicht vollständig verstehen – eine Erfahrung, die dem Unterschreiben eines Blankoschecks vergleichbar ist. Die Einschränkungen bestehender Übergangslösungen verschärfen das Problem. Während Transaktionssimulationen zwar bereits erwartete Ergebnisse anzeigen können, fehlt ihnen oft der kritische Kontext – eine Bridge-Transaktion beispielsweise kann wie ein Totalverlust wirken, wenn das Wissen fehlt, dass ein plattformübergreifender Transfer (Cross-Chain-Transfer) folgen wird. Darüber hinaus können Application Binary Interfaces (ABIs) Code zwar in menschenlesbare Formate übersetzen, böswillige Smart Contracts können jedoch ABIs nutzen, die ein Wallet täuschen.
0/ Clear signing is now live.
— Ethereum Foundation (@ethereumfndn) May 12, 2026
An open standard to end blind signing, making human-readable transactions default.
This effort brings a major UX and Security upgrade to transaction signing on Ethereum. pic.twitter.com/nIGRCBQh6G
Wie Clear Signing funktioniert
Das Framework ändert nichts an der Funktionsweise von Ethereum-Transaktionen. Stattdessen fügt es beim Signierschritt eine überprüfbare Anzeigeebene hinzu, die es Wallets ermöglicht, technische Transaktionsdaten in eine lesbare Absicht (Intent) umzuwandeln, während Vertrauensentscheidungen lokal in jedem Wallet verbleiben. Das Herzstück des Standards ist ERC-7730, wodurch Protokolle die Transaktionsabsicht beschreiben können. So können Wallets den Benutzern die Aktion, den Betrag, das Protokoll und das erwartete Ergebnis anstelle von unformatierten Calldata anzeigen. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Wallet eine Nachricht wie „Tausche 1.000 USDC gegen einen Mindestbetrag an ETH auf Uniswap“ einblenden könnte, anstatt eines unleserlichen Hexadezimal-Strings.
Was die Initiative einführt
Die Clear-Signing-Initiative führt die folgenden Komponenten ein:
- ERC-7730 – ein offener Standard für menschenlesbare Transaktionsbeschreibungen
- Ein neutrales, spiegelbares Deskriptor-Register – erlaubnisfrei (permissionless) und offen für Protokollteams, Sicherheitsforscher und andere Mitwirkende
- ERC-8176 – ein Attestierungs-Framework, das es Auditoren ermöglicht, die Integrität von Deskriptoren zu überprüfen
- Offene Entwickler-Tools – verfügbar für Wallets, Protokolle und Auditoren
Wallets können dann selbst entscheiden, welchen Deskriptoren und Attestierungen sie bei der Anzeige von Transaktionsdetails für Benutzer vertrauen.
Ökosystemweite Zusammenarbeit
Der Standard wurde nicht isoliert entwickelt. Die in Partnerschaft mit einer Reihe von Ethereum-nahen Akteuren ins Leben gerufene Initiative umfasst die Beteiligung von Fireblocks, Ledger und MetaMask. Zu den weiteren Mitwirkenden gehören Trezor, WalletConnect, Zama, Sourcify, Cyfrin und die Trillion Dollar Security-Initiative der Ethereum Foundation. Die Breite der Beteiligung signalisiert eine umfassende Abstimmung im gesamten Wallet- und Protokoll-Ökosystem hinsichtlich der Notwendigkeit eines gemeinsamen, offenen Ansatzes für Transaktionstransparenz – anstelle von fragmentierten, proprietären Lösungen. (***)
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