Kraken's Payward verklagt Etana wegen 25-Millionen-Dollar-Verwahrbetrugs
Zweite geänderte Klageschrift richtet sich gegen Etana und dessen CEO
Payward, die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken, hat beim U.S. District Court für den Distrikt Colorado eine zweite geänderte Klageschrift eingereicht. Damit werden frühere Vorwürfe wegen Vertragsbruchs zu detaillierten Betrugsanschuldigungen gegen das Verwahrungsunternehmen Etana und dessen Vorstandsvorsitzenden (CEO), Dion Brandon Russell, ausgeweitet. In der Einreichung wird Etana beschuldigt, mehr als 25 Millionen US-Dollar an Kundenreserven durch ein als „Ponzi-ähnlich“ charakterisiertes System veruntreut zu haben, bei dem verwahrte Vermögenswerte mit dem Eigenkapital des Unternehmens vermischt und zur Finanzierung riskanter Investitionen verwendet wurden.
Payward gibt an, dass Etana sich selbst als segregierter, insolvenzferner Verwahrer vermarktet habe, während es angeblich Krakens Reserven in illiquide Hochrisiko-Kreditwetten investierte. Während dieses Zeitraums gab Etana weiterhin Kontoauszüge und Dashboard-Updates heraus, die die Kundenguthaben trotz interner Fehlbeträge als sicher und vollständig ausgewiesen darstellten.
Wichtige Anschuldigungen im Ăśberblick
- Verluste durch Schuldscheine: Mindestens 16 Millionen US-Dollar von Krakens Geldern wurden in Schuldscheine von Seabury Trade Capital geleitet – Papiere, die später notleidend wurden.
- Eigenhandel: Etana nutzte zudem Kundenvermögen zur Finanzierung einer eigenen Forex-Strategie und behielt dabei sämtliche daraus resultierenden Gewinne ein.
- Verweigerte Auszahlungen: Als Kraken im April 2025 eine Auszahlung von rund 25 Millionen US-Dollar beantragte, hielt Etana diese mit angeblich fingierten Abstimmungsproblemen auf.
- „Ponzi-Struktur“: Anstatt die Gelder zurückzugeben, soll Etana neue Einlagen anderer Kunden verwendet haben, um frühere Verluste zu decken.
- Infrastrukturausfall: Im März 2026 waren die digitalen Vermögenswerte von Etana vorübergehend unzugänglich, nachdem Amazon Web Services das Konto des Unternehmens wegen unbezahlter Gebühren gesperrt hatte.
Regulatorische MaĂźnahmen und Liquidation
Der regulatorische Druck erhöhte sich im Jahr 2025, als die Behörden von Colorado eine Unterlassungserklärung erließen und die Kapitalanforderungen anhoben. Etana trat schließlich im November 2025 in das Liquidationsverfahren ein und steht nun unter der Kontrolle eines gerichtlich bestellten Insolvenzverwalters. Nach Angaben dieses Verwalters belaufen sich die Barbestände auf etwa 6,83 Millionen US-Dollar, während die Verbindlichkeiten 26 Millionen US-Dollar übersteigen – wovon der Großteil die Forderung von Kraken darstellt.
Das Bundesverfahren gegen die Etana-Einheiten ruht derzeit, wird jedoch gegen Russell persönlich fortgesetzt, dem eine individuelle Haftung für Betrug und zivilrechtlichen Diebstahl droht. Der Insolvenzverwalter kooperiert mit Payward, indem er Dokumente vorlegt und ehemaliges Personal für Befragungen zur Verfügung stellt.
Was Payward fordert
Payward fordert mindestens 25 Millionen US-Dollar an Schadensersatz sowie das Dreifache dieses Betrags gemäß Colorados Gesetz über zivilrechtlichen Diebstahl – eine Forderung, die die gesamte Rückerstattungssumme vor Gebühren und Zinsen auf über 75 Millionen US-Dollar heben könnte. Die Klageschrift umfasst zudem Anklagepunkte wegen Vertragsbruchs, Verletzung der Treuepflicht und fahrlässiger Falschdarstellung.
Krakens Leiter der Rechtsabteilung, Matt Turetzky, erklärte, dass die Börse „nicht ruhen wird, bis Gerechtigkeit geübt wurde“, und betonte, dass das Unternehmen nicht nachgegeben hat und nicht nachgeben wird, wenn Kundengelder auf dem Spiel stehen.
Breitere Auswirkungen auf die Branche
Der Fall verdeutlicht ein strukturelles Problem der gesamten Kryptobranche: Während Nutzer Börsen und Verwahrern regelmäßig ihre Vermögenswerte anvertrauen, wurden Sicherungssysteme, die im traditionellen Finanzwesen üblich sind – wie die Trennung von Geldern, Einlagensicherung und standardisierte regulatorische Aufsicht –, auf Kryptoplattformen nicht konsequent durchgesetzt. Paywards Rückzahlung hängt letztlich vom Forderungsprozess der Insolvenzverwaltung und etwaigen verfügbaren Versicherungsleistungen ab.
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